Dark Patterns und Gamification – cui bono?

Die Zahl der neuen Aktionäre, insbesondere bei jungen Menschen, ist in Österreich in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Diese grundsätzlich sehr erfreuliche Entwicklung stellt aber den Gesetzgeber auch vor gewisse Herausforderungen. Denn gleichzeitig werden immer mehr Börsenorders von Privatanlegern über das Smartphone erteilt. Moderne Trading-Apps sind bunt, intuitiv und praktisch. Ein niedrigschwelliger Zugang zum Kapitalmarkt ist wichtig, um jungen Anlegern einen Einstieg zum Aufbau einer nachhaltigen Zukunftsvorsorge zu ermöglichen. Es gibt jedoch auch Grenzen!

Bereits Ende letzten Jahres erklärte die BaFin (deutsches Pendant zur FMA) sogenannte „Dark Patterns“ im Wertpapiergeschäft und in Trading Apps für unzulässig. Aber worum geht es dabei eigentlich? Nach einer Studie im Auftrag der EU-Kommission verwenden 97 % der populärsten Websites manipulative (Design-)Techniken. Dazu gehört unter anderem das Ausgrauen bestimmter Schaltflächen mit dem Ziel, dass diese gegenüber anderen Schnittstellen schlechter wahrgenommen werden. Bei manchen Trading Apps wird z.B. der Button zum Abbruch einer Wertpapiertransaktion kaum oder gar nicht sichtbar dargestellt. Die Schaltfläche für den Kaufabschluss ist hingegen besonders auffällig und kontrastreich gestaltet. Auf EU-Ebene wird kontrovers diskutiert und in den USA haben Regulierungsbehörden wie die Federal Trade Commission (FTC) bereits Strafen in Millionenhöhe gegen ähnliche „irreführende“ Praktiken durchgesetzt.

Um die neuen jungen Aktionäre als Zielgruppe zu erreichen, nähern sich Trading-Plattformen zudem mit Formaten und Mechanismen, die aus dem Bereich von Computerspielen bekannt sind („Gamification“). Die Idee führt darauf zurück, dass spieltypische Elemente, übertragen auf Wirtschafts- und Finanzthemen, bei den jungen Anlageinteressenten eine besonders hohe Akzeptanz haben. Finanzinstitute könnten dies als Chance nutzen, um so mittels interaktiver und spielähnlicher Elemente entsprechendes Finanzwissen zu vermitteln. Damit könnte Financial Literacy nahbarer gemacht werden, und die Nutznießer eines starken Kapitalmarkts würden selbst einen wichtigen Beitrag zur Finanzbildung leisten. Es besteht aber die Gefahr, dass Finanzinstitute und Trading-Plattformen die Technologie nicht neutral einsetzen, sondern die Initiativen mit einer bestimmten Absicht lediglich auf Ergebnisse abstellen, von denen hauptsächlich Finanzintermediäre profitieren. Dies würde die Idee des mündigen Anlegers unterminieren und würde sich im Bereich schädlicher, rechtlich oft unzulässiger (psychologischer) Manipulation bewegen. In Österreich gibt es positive wie negative Gamification-Beispiele.

Wie Politik und Regulierungsbehörden damit künftig umgehen und ob es zu Verboten einzelner Gamification-Techniken kommen wird, bleibt abzuwarten.

Kolumne im Börsen Kurier am 15. März 2023 veröffentlicht von:

DOMINIK HUBER

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