Investieren mit Verantwortung

“Über Geld spricht man nicht” – diesen Spruch kennen viele vermutlich von ihren Eltern und Großeltern. Aber junge Menschen tun es dennoch, und das ist gut so. Und das Wichtigste ist, dass sie auch selbst in ihre Zukunft investieren bzw. für diese vorsorgen. Das Interesse am Kauf von Wertpapieren ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen und ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Bereits jeder Vierte in Österreich nimmt die private Zukunfts- und Altersvorsorge sowie den Vermögensaufbau selbst in die Hand. Hierbei haben der niedrig-schwellige Zugang, mitunter durch Neo-Broker, sowie die auf Social-Media-Kanälen auftretenden “Finfluencer” einen positiven Beitrag geleistet. Zugleich sind aber die 18- bis 30-Jährigen heute verschuldeter als je zuvor, was auf die große Lücke in der (schulischen) Finanzbildung zurückzuführen ist.

Die Höhe der Verschuldung beläuft sich häufig bereits auf rund 10.000 bis 30.000€. Als Grund für die Verschuldung wird von den Betroffenen häufig angeführt, dass der Umgang mit Geld nie erlernt worden sei. Mitunter gibt es sogar immer mehr junge Menschen, die zur Erfüllung ihrer Konsumwünsche variabel verzinste Dispo-/Rahmenkredite vereinbaren. Finanzkompetenz ist ein Schlüsselfaktor für junge Erwachsene, um sich eine finanzielle Zukunft aufbauen zu können, und ganz generell wirtschaftliche Entscheidungen überhaupt bewusst treffen zu können. Das notwendige Grundwissen fängt beim Abschluss eines Versicherungs- oder Leasingvertrages an, und auch beim ersten Kredit für eine Eigentumswohnung oder dem ersten Fonds-/Aktien-Investment sollte man sich nicht blind auf Berater verlassen müssen.

In Sachen praxisrelevanter Finanzbildung erhalten junge Erwachsene aber meist nur in höheren Schulen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt ein gerade noch ausreichendes Wissen zur Abwägung von finanziellen (Investitions-)Entscheidungen. Hilfestellung suchen junge Menschen meist im Internet bzw. auf Social Media, womit wir wieder zurück zu den oben erwähnten “Finfluencern” kommen. Neben sehr vielen positiven Finanzbildungs-Plattformen und Webseiten, gibt es aber auch hier schwarze Schafe, welche das fehlende Wissen von gutgläubigen Anlage-Interessenten ausnutzen.

Wirtschaft und Politik müssen sich gemeinsam endlich noch stärker für Finanzbildung in der breiten Masse einsetzen, um so der Bevölkerung das notwendige Finanz-Know-How mit auf den Weg zu geben. Auf diesem Weg hin zu einer aktienaffinen und finanziell selbstbewussten Gesellschaft, die neben der staatlichen Vorsorge auch eigenständig für die Zukunft und Pension vorsorgt, könnte man insbesondere die Profiteure ebendieser mit in die Pflicht nehmen, und das sind neben dem Staat Österreich vor allem Broker und Banken. Wobei auch erwähnt werden muss, dass einige Banken die Notwendigkeit einer Verbesserung der Financial Literacy auch bereits selbst erkannt haben, und folglich mit gutem Beispiel und interessanten Projekten vorangehen.

Kolumne im Börsen Kurier am 9. Mai 2024 veröffentlicht von:

DOMINIK HUBER

1130 Wien, Feldmühlgasse 22
Tel. +43-1-8763343-0
Fax. +43-1-8763343-49
dominik.huber@youngshareholders.at