27,5% KESt – Warum werden wir Anleger eigentlich vom Staat „geschröpft“?

Im letzten durch Corona nicht beeinträchtigten Jahr 2019 durfte sich der Finanzminister über KESt-Einnahmen von knapp 3 Milliarden Euro freuen. Unser Staat verdient also sehr gut an der Kapitalertragsteuer (KESt). Von allen Zinsen am Konto oder Sparbuch schöpft sich der Staat gleich mal seinen Anteil, in diesem Fall zumindest „nur“ 25 Prozent, ab. In der aktuellen Zinslandschaft mit extrem niedrigen Sparzinsen fallen diese aber auch kaum noch ins Gewicht. Wo nichts ist, da kann man auch nicht viel holen! Konsequenz: Nachdem man aufgrund der steigenden Inflation und mangels solider Habenzinsen jährlich deutlich an Kaufkraft verliert, weichen immer mehr Menschen auf die Aktienmärkte aus.

Eigentlich müsste der Staat froh sein, wenn seine Bürger in heimische Unternehmen investieren und sich so auch selbst nachhaltig einen Finanzpolster für die Zukunft oder für die Pension aufbauen. Doch dem ist nicht so: Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es seit dem Jahr 2016 in Österreich den quasi 2,5%igen „Strafzuschlag“ auf Dividenden und Wertsteigerungen von Aktien. Somit beteiligt sich der Staat am Ende sogar mit 27,5 Prozent an diesen Gewinnen. Gewinne, die ein Privatanleger ohnehin bereits mit versteuertem Vermögen erzielt hat!

Dabei sorgen viele Privatanleger wegen des vollkommen überforderten Pensionssystems vor, welches jährlich mit zig Milliarden Euros vom Staat bezuschusst wird. Es wird erkannt, dass alternative Möglichkeiten zur Zukunfts- und Altersvorsorge dringend notwendig sind. Der Privatanleger stellt so das Risikokapital für Wachstum und Erneuerung zur Verfügung. Aber warum sollte er das in Österreich tun, wo er finanziell dafür bestraft wird? Fakt ist, es braucht längst eine faire Besteuerung. Es muss national und international attraktiv werden, in Österreich zu investieren.

Man kann nur hoffen, dass die Politik zur Einsicht kommt und das selbständige nachhaltige Investieren und Anlegen endlich respektiert wird. Vor allem für uns junge Anleger ist eine faire Besteuerung essentiell, um sich so etwas für die Zukunft aufbauen zu können!

Kolumne im Börsen Kurier am 26. August 2021 veröffentlicht von:

DOMINIK HUBER

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