Krypto-Regulierung: Rettung oder Todesstoß?

Der Gründer der insolventen “Kryptobörse” FTX, Sam Bankman-Fried, hat sich nach dem spektakulären Zusammenbruch seines Firmenimperiums gegen Betrugsvorwürfe verteidigt. Ob es nun Generalversagen verschiedenster Ebenen, Inkompetenz oder Betrug war, wird am Ende des Tages für den Anleger bzw. Krypto-Spekulanten kaum eine Rolle spielen. Der Schaden ist nicht mehr zu beheben, das Geld ist weg, und da werden auch die geplanten Sammelklagen wenig bis nichts daran ändern. Vor der Pleite taxierten Forbes und Bloomberg Bankman-Frieds Vermögen zeitweise auf mehr als 26 Mrd USD, nun verfügt er laut Eigenaussage lediglich noch über ein Bankkonto mit rund 100.000 USD. Dies zeigt welche Fantasiegebilde in dieser aufgeblasenen Szene geschaffen werden, und wie fatal ebendiese der Realität nicht standhalten können.

Was einst Aufgabe staatlicher Regulierungsbehörden oder etwa der Zentralbanken war, erledige im Fall der Kryptowährungen die Technik, vor allem die fälschungssichere Blockchain, tönten stets die Krypto-Fans. Dass Fälschungssicherheit ohne gleichzeitige Regulierung dennoch Betrug und Missbrauch ermöglichen, wurde gekonnt heruntergespielt. Nach etlichen Finanzskandalen in der Szene haben die seriöseren Kryptomarkt-Teilnehmer die Gefahr von Missbrauch und Betrug erkannt und kommuniziert, und rufen nun selbst nach staatlicher Regulierung. “Wir sind in einem neuen Geschäftsfeld”, sagte Changpeng Zhao, Chef der Kryptohandels-Plattform Binance beim G20-Treffen auf Bali im November. “Wir haben gesehen, wie verrückt die Dinge geworden sind. Wir brauchen Regulierung. Die Branche habe die gemeinsame Aufgabe, die Verbraucher zu schützen. Regulierer spielen eine Rolle, aber es ist nicht zu 100% ihre Verantwortung”, fügte Changpeng hinzu. Dieses klare Eingeständnis seitens des CEOs des Weltmarktführers Binance ist jedenfalls wichtig für die gesamte Krypto-Branche.

Doch zur Regulierungsfrage gibt es auch unterschiedliche Ansichten. Denkbar wäre zum Beispiel auch, dass eine stärkere Regulierung durch große Staaten einem Ritterschlag gleichkommen würde und den Bitcoin als Zahlungsmittel etablieren könnte. Ulrich Bindseil, EZB-Generaldirektor, und Jürgen Schaaf, EZB-Abteilung für Marktinfrastruktur und Zahlungsverkehr, schreiben, dass Bitcoin auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit wäre. “Innovation um jeden Preis” könne nicht das Ziel sein. “Die Kryptowährung Bitcoin wird künstlich aufgeblasen und sollte nicht durch Regulatoren oder Finanzunternehmen legitimiert werden. Die Finanzindustrie solle sich des Langzeitschadens bewusst sein, den sie mit der Werbung für Bitcoin-Investments anrichte”, führen Bindseil und Schaaf weiter aus. Eine weit verbreitete Ansicht dahingehend, dass sich Kryptowährungen auch nicht als Anlagegut qualifizieren, da sie weder Cashflow noch Dividenden generieren, wird auch von Schaaf und Bindseil bestätigt.

Ob die von der EU geplante MiCA-Regulierung, welche erst im Jahr 2024 rechtswirksam wird, eine Rettung für die Krypto-Branche darstellt, oder den Untergang, wird sich weisen. Jeder Anleger, der trotz der EZB-Warnungen unbedingt in Krypto-Assets investieren möchte, sollte sich jedenfalls über das hohe Verlustrisiko bewusst sein.

Kolumne im Börsen Kurier am 15. Dezember 2022 veröffentlicht von:

DOMINIK HUBER

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