Bildung in Österreich – Wer Angst sät, wird Börsenmuffel ernten

Obwohl die anhaltende Nullzinspolitik der EZB Tag für Tag die Ersparnisse unzähliger Privatpersonen vernichtet, sehen diese dabei auch noch entspannt zu. Das Geld wird ja zumindest betragsmäßig nicht weniger. Dass man sich von der gleichen Geldmenge weniger leisten kann, hätte mittlerweile sogar der Großteil der Bürger verstanden.

Die fehlende Börsenaffinität und das niedrige Finanz-Know-How in Österreich ist meiner Meinung nach ein hausgemachtes Problem. Im Rahmen unseres Bildungssystems wird außerhalb von Handelsakademien zu wenig praxisnahes Finanzwissen vermittelt. Es wirkt so, als wäre unser Bildungssystem auf die Abhängigkeit vom Staat ausgerichtet, Eigen- und Selbständigkeit werden weder gefordert noch gefördert. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird förmlich eingetrichtert, dass sie bei Finanzthemen auf Experten und natürlich dem Staat vertrauen können bzw. sollen.

Es wäre dringend notwendig, Schülern ab der Sekundarstufe ein solides Finanzwissen und den Umgang mit Geld zu vermitteln. Dies fängt beim Aufbau von Grundwissen an, und hört beim richtigen bzw. bedachten Abschluss von Sach- und Personenversicherungen sowie bei der Finanz- und Zukunftsplanung auf. Dass Pyramidensysteme, manch windige Finanzvermittler, die sogar Beteiligungen an Agrarflächen im Ausland verkaufen, und diverse sonstige Finanzbetrügereien oft so erfolgreich sind, ist meines Erachtens auch der fehlenden Sensibilisierung im Schulwesen geschuldet. Auch um dem entgegen zu wirken, braucht es ein eigenes Schulfach zum Umgang mit Geld. Hierbei sollte man aber unbedingt auf Lektoren aus der Wirtschaft setzen, die dieses Know-How praxisnahe vermitteln können.

In Österreich beziehen mittlerweile knapp 2,5 Millionen Menschen eine staatliche Pension, wozu der Staat Österreich Zuschüsse von rd. 20 Milliarden Euro leisten muss. Dass die beiden von mir genannten Kennzahlen aufgrund der Babyboomer-Jahrgänge in den nächsten 10 Jahren massiv ansteigen werden, ist unbestritten. Die damit verbundenen Probleme des bestehenden Pensionssystems werden aber noch immer geleugnet, was die Problematik für die Generation unter 40 noch weiter verstärkt.

Umso wichtiger ist es, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich selbst eine Zukunfts- und Altersvorsorge aufzubauen. Während in den letzten Jahren die Lieblings-Sparformen der Österreicher, das Sparbuch und die Lebensversicherung, meist nur mickrige Zinsen abgeworfen haben, lief es an der Börse im gleichen Zeitrahmen richtig gut. Nicht nur die Kursstände sind hoch, die meisten Unternehmen belohnen ihre Geldgeber auch mit einer ansehnlichen Dividende. All das lassen sich die Börsenmuffel aber leider entgehen. Dazu braucht es neben dem notwendigen Finanz-Know-How auch ein Bildungswesen, das nicht Ängste schürt, sondern über Risiken und Chancen aufklärt!

Kolumne im Börsen Kurier am 24. September 2021 veröffentlicht von:

DOMINIK HUBER

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